Bericht vom Katechet*innentreffen mit Poetry Slam

Katechet*innen Treffen
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Nachdem unser erster Versuch eines Treffens für die Berufsgruppe der Katechet*innen im April noch an Corona scheiterte, konnte uns am 24.10.2020 nichts mehr stoppen. Um allzu lange Anfahrtswege zu vermeiden, hatten wir zwei Termine geplant – im Oktober für den nördlichen Bereich Bayerns in Nürnberg, im Januar für den südlichen Bereich in München. Einer „Live“-Begegnung stand auch diesmal die Covid-19-Situation im Weg.  Die virtuelle Variante per Video fand aber großen Zuspruch.

Zu Beginn startete eine Kolleg*in mit einem Poetry-Slam. Vieles, was anschließend zur Sprache kam, war damit schon „angerissen“.  Der Beruf erfordert Investitionen in technische und andere Arbeitsmittel, die bei der deutlich beschränkten Arbeitszeit und einer Gehaltsklasse, die teilweise der einer Kinderpflegerin entspricht, erheblich zu Buche schlagen. Im Alltag erleben viele in den Schulen Wertschätzung und eine Begegnung auf Augenhöhe. Einige vermissen diese im Raum Kirche. Im Gespräch fanden wir gemeinsame Themen, die wir weiter im Auge behalten wollen. Besonders wichtig ist künftig eine bessere Vernetzung. Zum einen, um unseren Anliegen mehr Gehör zu verschaffen, zum anderen, um uns gegenseitig auf vielfältige Weise weiter zu unterstützen.

Wir freuen uns auf das nächste Treffen am 30.1.2021, egal, ob live in München oder virtuell. Bestimmt wird es weitere Impulse für unsere Arbeit geben.

Heidi Herbst

 

Poetry-Slam von Melanie Stadlinger, in dem sie ihre Eindrücke zum Beruf der Katechet*in schildert, auch als Audio-Datei von der Autorin eingesprochen.

Für meine Gefährtinnen

Ich bin dran, uns in diesen Nachmittag zu führen, an unseren Herzen zu rühren,
Visionen zu erwecken und unsere Wunden zu lecken. 
Zurück zu unseren Anfängen:
Gestartet sind wir aufgrund unserer Ideale … wir warfen sie alle in eine Schale und stürzten uns in dieses Abenteuer  … teuer … teuer!
Oh, ein Adjektiv mit Tiefgang. Teuer. Tatsächlich. Teuer war sie die Ausbildung. Teuer ist das Katechetleben. Teuer die vielen Bücher und Materialien, die ich mir angeschafft habe.
Teuer das Equipment, das ich mir auch danach, hier und jetzt noch gönne. Gönne!
Ein Auto, ein Arbeitszimmer, ein Ipad, 1000 Bilderbücher, das HMDI-Kabel, das ich immer bei mir trage, die Lautsprecherbox, der Erste-Hilfe-Kasten für den Notfall und die Kopfschmerztabletten, die mir manchmal die sechste Stunde retten.
Teuer die Menge an Lebenszeit, die mein Einsatz für diesen Beruf kostet, während das Schloss meines Sparschweins einrostet und die Familie nur noch mit dem Kopf schüttelt, mich an den Schultern rüttelt und fragt: Ist es das alles wert?

In der Mitte angekommen:
Als Katechetin dürfen wir durch die Schullandschaften rennen
und dabei ein großes Repertoire das unsere nennen. Wir sind kreativ, willig und vor allem billig.
Als Schüler lernt man, mit möglichst wenig Aufwand, das Beste herauszuholen.
Als Manager eines uns zu gut bekannten Unternehmens weiß ich, mit möglichst wenig Aufwand, …. .
Nein! Hier halte ich ein. Bei Kirchens kann das nicht sein. Wir sind alle viele Glieder und ein Leib, wir sind eins in Christi und arbeiten doch nicht für die Schätze der Erde, auf dass es uns hier zu gut gehen werde. Unser Heil liegt im Himmel, im Leben danach, so auch schon Jesus zu uns sprach.
Katechet*innen haben es also in dieser Hinsicht sehr gut, denn so besänftigt sich die Wut und verblasst uns der Mut vieles zu hinterfragen. … fragen … fragen.

In der Mitte und immer wieder an der Grenze:
Nichts kann uns schrecken. Vom Leben gestählt, zäh und resilient bestehen wir täglich in unserem selbst gewählten Katechet*innenleben. Die kleinsten und dunkelsten Zimmer, ohne Glanz und ohne Schimmer, Unterrichten in allen Schichten, überfüllte Klassen, leere Schulkassen, steinaltes Material und wenig ist kollegial.
Wie ein unsichtbarer Geist nicht wahrgenommen, geduldet und trotzdem den Dreck in den Zimmern verschuldet.
Nicht wahrgenommen und nicht geschätzt, sogar die Beurteilung wird weggeschwätzt. Geld gibt es keines, nur leere Worte – so der Geschmack unserer Dienstzeittorte. Aber wer will hier jammern, hat man zu Beginn etwa nicht richtig gelesen? Das im Kleingedruckten und das in Klammern? 

Ich bin dran, uns in diesen Nachmittag zu führen, an unseren Herzen zu rühren,
Visionen zu erwecken und unsere Wunden zu lecken.

Bin ich nun in der Sackgasse gelandet? Am Ende? Kommt jetzt „der Schluss“?
Warum bin ich noch hier? Warum kehre ich nicht um und treibe mich in anderen Lebenswelten herum? Ich sehe Kindergesichter vor mir, die sich freuen und die keine Stunde mit mir bereuen.
Ich sehe, wie wichtig ist Spiritualität und Glaube in der Welt, was mich und meine Lieblingsmenschen hält und trägt in harten Stunden und heilt und salbt unsere Wunden. Ich bin sicher, Gott hat uns an diesen Platz gestellt und findet uns wichtig in dieser Welt.
Er schürt in mir das Feuer zu glauben, dass man Katechet*innen in dem Maß anerkennt, jede einzelne, jeden einzelnen beim Namen nennt, ihn wertschätzt und unterstützt und auf all seinen Wegen beschützt.

Und so brenne ich für eine bessere Zukunft, für bessere Tage, für eine bessere berufspolitische Lage. Ich wünsche mir Wege für ein Berufsbild, das nicht die Lebensgrundlage für eine Vollbeschäftigung killt. Ich wünsche mir, dass man unsere Fähigkeiten und unsere Potential endlich wahrnimmt und schätzt und nicht unter den Scheffel setzt. Ich wünsche mir ein Miteinander, ein Leib und viele Glieder, die sich gegenseitig stützen und nicht ausnützen.

Ich war dran, uns in diesen Nachmittag zu führen, an unseren Herzen zu rühren, Visionen zu erwecken und unsere Wunden zu lecken. Jetzt kann es losgehen.